Thema des Monats


Mehr als Mehrarbeit – Flexibilität 4.0

Zu den Anforderungen, die die Arbeit 4.0 an Arbeitgeber und -nehmer stellt, gehört auch eine höhere Flexibilität, die sich nicht nur aufs Wie, sondern ebenso aufs Wann auswirkt. Um Effizienz, Leistungsfähigkeit sowie Motivation der Mitarbeiter zu steigern und dabei Fachkräfte ans Unternehmen zu binden, sollten sich Führungskräfte die Frage stellen, welche Arbeitsformen zeitgemäß sind. Denn gerade die Motivation eines Arbeitnehmers erhöht seine Bindung ans Unternehmen und den Einsatz, den er bereit ist, zu leisten. Auch wenn der klassische 9 to 5-Job als Relikt anmutet, führt eine Erhöhung der Stunden nicht zwingend zu mehr Effizienz – ganz im Gegenteil mindern sich Leistungsfähigkeit und Gesundheit bei dauerhaft überlangen Arbeitstagen mit Folgen wie Schlafstörungen, Stress oder Burnout. Dazu kommt, dass insbesondere die künftigen Arbeitnehmer der Generation Z (lesen Sie hier mehr dazu) Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Job und Familie legen.


Motive erkennen und reagieren können
Sinnvoller ist es, Arbeitszeitmodelle in Betracht zu ziehen, die die Balance zwischen betrieblichen, sozialen und gesundheitlichen Anforderungen erfüllen. Dadurch kann die individuelle Arbeitszeit bei gleichzeitig ausreichendem Erholungsspielraum klug verteilt werden. Vier Faktoren nennt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in ihrem Paper „Flexible Arbeitszeitmodelle. Überblick und Umsetzung“ (2017) als Gründe für den erhöhten Bedarf nach Flexibilität: Globalisierung, demografische Entwicklung, Wertewandel und Digitalisierung. Im Gegenzug handelt es sich bei bereits etablierten flexiblen Arbeitszeitmodellen wie Nacht- und Schichtarbeit, Bereitschaftsdienst oder Rufbereitschaft um Formen, bei denen die Bedürfnisse des Arbeitgebers im Vordergrund stehen und die sich tendenziell negativ auf die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer auswirken. Vorteile haben dagegen Alternativen, die Spielraum für die eigene Entfaltung bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung bieten. Flexible Arbeitszeiten, die durchdacht sind, haben mehrere positive Effekte.

Sie...

  • steigern die Arbeitgeberattraktivität und stärken die Mitarbeiterbindung,
  • garantieren mehr Arbeitsplatzsicherheit, indem Auftragsschwankungen abgefedert werden,
  • wirken sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit aus, indem Kosten gesenkt und die Präsenz am Markt gesteigert werden,
  • erhöhen Weiterbildungschancen durch freiere Zeiteinteilung,
  • vergrößern die Motivation,
  • und verbessern nicht zuletzt die Lebensqualität, indem die Beschäftigten psychisch und physisch gesund bleiben.

Insbesondere eigenverantwortlich arbeitende Fachkräfte sowie familiär gebundene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren davon. Legen wir hier zusätzlich die Motive, also die inneren Antreiber, zugrunde, die kopfarbeit. Barbara Haag mittels der Motivanalyse aHead identifizieren kann, erweitert sich der Kreis um diejenigen, deren Motivprofil Anforderungen an flexibles bzw. eigenverantwortliches Arbeiten stellt. Mehr Informationen zum Analyse-Tool und seinen Vorteilen für die Personalarbeit finden Sie hier.


Schrittweise Einführung mit externer Unterstützung
Abhängig vom gewählten Modell, dem Bedarf nach Flexibilisierung oder den Vorstellungen der Arbeitnehmer gibt es verschiedenartige Möglichkeiten, die Arbeitszeit zu verteilen – von einem Tag bis hin zum Jahr oder dem Lebensumfang eines Beschäftigten. Voraussetzung ist meist ein Arbeitszeitkonto.
Grundsätzlich sollten sich Unternehmer vor der Umstellung auf flexible Arbeitszeiten der eigenen Interessen gewahr werden. Ein Schnellschuss, ohne die Veränderungen, die das Modell mit sich bringt, zu vertreten, wird nicht gelingen und schwerlich von der Belegschaft mitgetragen. Die Frage ist, was erreicht werden soll – etwa zufriedenere und leistungsstärkere Beschäftigte, erweiterte Betriebszeiten mit mehr Kundenservice oder weniger Kosten durch Arbeitsplätze, die von mehreren Personen besetzt werden.

Und natürlich gibt es auch Nachteile zu bedenken: Flexible Arbeitszeiten erhöhen den Aufwand bei der Personalplanung und den Bedarf nach Austausch sowie das Vermögen der Beschäftigen, ihren Bereich eigenständig zu verantworten und fehlerfrei zu übergeben.
Auch aufgrund dessen sollte die Einführung schrittweise erfolgen, unter frühzeitiger Einbindung der Geschäftsleitung sowie im Anschluss der Führungskräfte, die die Entscheidung überzeugt mittragen sollten, auch weil sich Zuständigkeiten verändern; ebenso ist eine umfassende Information der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bedeutung, die den Umgang mit Anpassungsschwierigkeiten, Skepsis oder Widerständen beinhalten kann.

Beratungsunternehmen wie kopfarbeit. Barbara Haag können Sie bei diesem Prozess unterstützen und Führungskräfte und Personaler optimal auf den Change vorbereiten. Etwa durch Unterstützung bei der Bedarfsermittlung, im konkreten Fall durch Führungskräfte-Workshops oder -Coachings, sowie nachbereitend durch die Evaluation des Status quo und dessen Weiterentwicklung.

Allgemein gilt, dass flexible Arbeitszeiten auch von Arbeitgeberseite Flexibilität erfordern – auch nach erfolgreicher Einführung wirkt das Modell dynamisch und orientiert sich am tatsächlichen Bedarf des Betriebs.


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